Spitz a. d. Donau

 

Der Markt besteht aus 2000 Einwohnern und ist rund um den alleinstehenden Tausendeimerberg erbaut, der in guten Weinjahren 1000 Eimer, das sind 56 000 Liter Wein bringt. Der alte, schon zur Keltenzeit besiedelte Ort, ist 865 als "Spitzun" erstmals genannt und war vom 9. Jhd. an in Besitz des Stiftes Niederaltaich in Bayern. 1480 verleiht Herzog Georg von Bayern dem Ort das Marktrecht. Das Wappen mit den bayerischen Rauten erinnert noch heute an die Zeit der engen Verbindung mit Bayern.

 

Früher hieß es: "Auf dem Marktplatz von Spitz wachsen 1000 Eimer Wein". Wobei man mit "Marktplatz" die Weinbergterrassen des sog. "1000-Eimer-Berges" meinte. Im frühen 19. Jhd. machte man oft bissige Bemerkungen darüber, denn man meinte, daß Spitz eben nicht "der Tempel des Bacchus" sondern nur die traurige Residenz der schärfsten Essigfabrikanten in ganz Niederösterreich sei - man schrieb das Jahr 1827!

 

Solche Scherze über den "sauren Wachauer" pfiffen schon die Spatzen von den Dächern. Damals rief die Wösendorfer Glocke "Saurer Wein! Saurer Wein!", worauf der Turm von St. Michael bimmelte "Wer wird'n trinkn? Wer wird'n trinkn?" und die Spitzer Glocken antworteten "Ihr Bauern draußt! Ihr Bauern draußt!". Wie Sie sich heute überzeugen können geht dieser Spott ganz und gar an der Wahrheit vorbei.

 

Um 1285 besaß Spitz 2 Burgen: Burg Hinterhaus (heute "Ruine Hinterhaus) und das "Vordere Haus" (heute sehr verfallen und zum Verkauf freigegeben). Erst 1504 wurde dieses Gebiet habsburgischer Besitz; bis dahin war es eine Enklave und gehörte dem Kloster Niederaltaich.

 

Ruine Hinterhaus:

 

Burg Hinterhaus war einst in Händen der Kuenringer, die in 2 weiteren Wachauorten (Dürnstein und Aggstein) bereits Burgen hatten. Spitz zu besitzen, bedeutete für sie die Wachau im engeren Sinn kontrollieren zu können.

 

Doch wer waren diese "Kuenringer" eigentlich?

Die Herren von Kuenring waren ein sehr einflußreiches Geschlecht, sowohl in der Wachau als auch im Waldviertel. Das Verhältnis zum österreichischen Herzog war zunächst recht gut, es brachte ihnen sogar den Beinamen "Hunde von Kuenring" - was damals so viel bedeutete wie "die treuen Gefolgsmänner von Kuenring". Als sie jedoch den Adelsaufstand gegen Friedrich II anführten, wurden sie für diese Untreue und andere frevelhafte Taten bestraft und mit einer List gefangengenommen. Sie hatten des öfteren eine illegale "Maut" von den auf der Donau vorbeifahrenden Schiffen erhoben, nun wurde ihnen dieses räuberische Verhalten zum Verhängnis: In einem prächtigen Schiff verbargen sich Ritter, die Hadmar von Kuenring gefangennahmen, als er an Bord kam, um wie gewohnt abzukassieren - eine österreichische Variante des Trojanischen Pferdes also.

 

Doch nun wieder zurück zur Ruine Hinterhaus:

Sie überragt die Ortschaft und wurde im romanischen Baustil 1000-1230 erbaut. Das erste Tor und der dahinter gelegene Zwinger sind nicht mehr erhalten. Ein Torturm mit Pechnase bildete den Zugang zur Hauptburg, von der die Kellerräume als letzter Rest des Palas (Wohnhaus) erhalten sind. Von dem romanischen Bergfried mit den dicken Mauern und dem Wehrgang erhält man einen schöner Ausblick in die Wachau.

 

 

Kirche:

Spätgotisch und dem hl. Mauritius (=Schutzheiliger des Stiftes Niederaltaich) geweiht. Auch diese Pfarrkirche war einst Teil einer Wehrkirchenanlage. Ihr ältester Teil ist der Turm (frühes 14. Jhd), Chor und Langhaus wurden 1508 bis 1514 erbaut. Man vermutet, daß die Geländeverhältnisse ursächlich für den Längsachsenknick waren, er beträgt 20 Grad.

 

Der Chor besitzt ein spätgotisches Netzgewölbe, das vorderste Joch des Mittelschiffes ein Sterngewölbe (1514). Die Marter des hl. Mauritius wurde vom "Kremser Schmid" 1799 gemalt, das Hochaltarbild ist zu seinen Spätwerken zu zählen.

 

Zu den bedeutendsten Holzplastiken der Gotik in Österreich zählen die Statuen Jesu und der 12 Apostel unter der Orgelempore (um 1380).

Bemerkenswert ist das in mehreren Farben schillernde Kirchendach.

 

Rotes Tor (auch Schwedentor genannt)

Eines der Spitzer Stadttore aus den Schwedenkriegen der Reformationszeit und heute beliebtes Wanderziel und Aussichtspunkt.

 

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© Sabine Pell