Wösendorf

In Wösendorf leben heute rund 400 Einwohner und der Ort gehört seit 1972 genauso wie die Nachbarortschaften St. Michael und Joching zur Großgemeinde Weißenkirchen, wie dies auch schon von 987 bis 1837 der Fall war.

 

Der Ort soll um 100 n. Chr. von einem Mann namens "Vesilo" gegründet worden sein. Um 1200 bezeichnet man das Dorf noch als "Dorf des Vesili".

Früher gehörte ein großer Teil des Ortes dem Stift St. Florian. Einige Höfe sind 400 bis 500 Jahre alt.

 

Das berühmteste Kind des Dorfes ist der Komponist Josef Gruber (1855 - 1933).

Schon in frühester Jugend zeigte sich sein außerordentliches musikalisches Talent, weshalb ihn der damalige Pfarrer in das Stift

St. Florian in Oberösterreich brachte, wo er sein musikalisches Studium mit großem Erfolg abschloss. Er war einer der besten Schüler Anton Bruckners und bis zum Tod Bruckners verband sie eine enge Freundschaft.

Von 1904-1923 war er als Musikprofessor am Bischöflichem Lehrerseminar in Linz tätig.

Alle seine Studenten liebten den gütigen, heiteren Menschen, der 352 Werke, darunter 50 Messen schrieb.

Im Druck erschienen: ein Te Deum, St. Peters-, St. Augustinus-, St. Gregor-, Cäcila-, Weihnachts-, St. Rupert- und die Kaiser Jubiläumsmesse, eine lauretanische Litanei,  eine Karfreitagskantate und ein 3-teiliges Handbuch für Orgel.

 

Nicht nur in Österreich, Deutschland und der Schweiz sondern auch in Amerika war er bekannt und beliebt. Seinen Heimatort Wösendorf aber vergaß er nie und unter dem Namen "Die Wösendorfer" ließ er eine Messe (Theresienmesse) erscheinen.

 

Zur Erinnerung an diesen berühmten Sohn hat die Gemeinde einer Schutzhütte auf der "Buschandlwand" den Namen "Gruberhütte" gegeben. Ebenso wurde die Straße, in der sich Josef Grubers Geburtshaus befindet, nach ihm benannt.

 

Die Pfarrkirche von Wösendorf stammt aus dem Jahr 1790 und ist dem hl. Florian geweiht.

Die spätbarocke Kirche hat einen 30 m hohen Turm mit 4 Glocken, die älteste unter ihnen ist die Christkönigsglocke. Sie ist 500 Jahre alt und wiegt 745 kg.

Außen auffallend sind vier Flammengebilde, die als Zierde für das so schlicht gestaltete äußere Erscheinungsbild der Kirche fungieren.

 

Das Hochaltarbild wurde vom "Kremser Schmidt" 1790 gemalt und stellt die Marter des hl. Florian dar.

Der hl. Florian war zur Zeit der Römerherrschaft Kanzleivorstand in Lorch bei Enns. Durch ein Edikt Kaiser Diokletians - welches besagt, dass alle Staatsbeamten, die sich als Christen bekannten, entlassen wurden - verlor er seine Stellung. Er wurde anschließend zu einem Krüppel gemartert und schwerverletzt in die Enns geworfen, wo seine Leiche - so weiß es die Legende - angeschwemmt und von einem Adler mit Flügeln in Kreuzform bewacht worden ist.

 

Auch die Gemälde der Seitenaltäre stammen von Martin Johann Schmidt: Links der Tod des hl. Josef, rechts die Kreuzigung Christi.

Das Deckenfresko beim Eingang ist ebenfalls sein Werk: Christus vertreibt die Händler aus dem Tempel.  Als Besonderheit sieht man eine Figur, die eine Brille trägt, was eine Erfindung der damaligen Zeit war. Die anderen drei Fresken hat Schmidt nur entworfen, sie stellen Motive aus dem Leben des hl. Florian dar (Vernehmung durch den röm. Statthalter, Marter und Auffindung seiner Leiche).

Die Kreuzgangbilder stammen ebenso vom "Kremser Schmidt".

 

Der "Kremser Schmidt" - sein eigentlicher Name lautet Martin Johann Schmidt - wurde 1718 geboren. Sein Vater hatte bereits zahlreiche Skulpturen und Plastiken (Göttweig, Dürnstein) geschaffen.

Zusammen mit seinen Helfern stellte Martin Johann Schmidt an die 800 Gemälde her. So ist in fast jeder Kirche dieser Gegend ein Werk von ihm zu besichtigen. Seinen künstlerischen Höhepunkt erreichte Schmidt zwischen 1767 und 1773 mit der Enthauptung der hl. Katharina in Dürnstein. Als Freskenmaler war er auch in der Stadtpfarrkirche Krems tätig.

 

 

 

 

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© Sabine Pell